Lange Zeit war es so, dass gelehrt wurde, was die Lehrpersonen für richtig und wichtig hielten. Man wusste einfach, was in der 5. Klasse dran war, was jemand im ersten Lehrjahr zu lernen hat und wie eine Fremdsprache gelernt wird.

Inzwischen haben viele erkannt, dass die Sache nicht ganz so einfach ist. Lernen baut immer auf Vorerfahrungen, Vorwissen und bereits vorhandenen Kompetenzen auf. Zudem ist Lernen mehr als Wissensaneignung. Lernen ist Weiterentwicklung der Persönlichkeit, des Wissens, der Soft Skills und der Handlungsfähigkeit.

Um einen vollständigen Überblick über den Lern- und Entwicklungsbedarf zu erhalten, sollte geklärt werden

  • was bereits vorhanden ist (Standortbestimmung)
  • was die Anforderungen sind (Bedarfsklärung)
  • was im Rahmen der individuellen Möglichkeiten liegt (Potenzial)
  • wie die Entwicklungsschritte aufeinander aufgebaut werden können

Denn Entwicklung muss zwingend auf Vorhandenem aufbauen, ohne Boden kann nichts wachsen. Alle diese Schritte sollten mit der Selbsteinschätzung eines Individuums abgestimmt werden, sonst läuft die Förderung ins Leere.

Standortbestimmung : Was ist vorhanden?

Der erste Schritt zur Lernplanung ist also die Standortbestimmung. Wer Arbeitslose fragt, was ihre Kompetenzen und Fähigkeiten sind, erhält ganz oft keine präzisen Antworten. Zu wissen, was man alles kann (und diese Kompetenzen in einem Portfolio systematisch nachweisen zu können) ist aber ebenso wichtig auf dem Arbeitsmarkt wie in der persönlichen Lebensgestaltung und in der Bildung.

Dabei geht es nicht nur darum, genau zu erfassen, was jemand alles weiss (Wissen) und kann (Fertigkeiten). Ebenso wichtig sind Kompetenzprofile von Soft Skills (Haltung).

Kurz gesagt

  • Was weiss der/die Lernende bereits?
  • Was kann er/sie bereits?
  • Was will er/sie bzw. wozu ist er/sie intrinsisch motiviert?

Bedarfsklärung : Was sollte sein ?

Der Bedarf, oder anders gesagt das Soll, ist keine unabhängige, objektive Grösse. Er ist abhängig von objektivierten Anforderungen von aussen, also von

  • Erwartungen von Lehrpersonen
  • Prüfungsanforderungen
  • Lernzielen (zum Beispiel aus Lehrplänen)
  • Vorgaben der Vorgesetzen im Beruf (zum Beispiel aus Berufsbildern, Anforderungsprofilen, Pflichtenheften)
  • Erwartungen von Bezugspersonen, Familie und Freunden.

Wesentlich sind aber auch subjektive Anforderungen wie die eigenen Erwartungen oder der Gruppendruck.

1200px Dynamische Darstellung der Bedrfnishierarchie nach Maslow.svg
Philipp Guttmann, CC-by-sa 3.0/de

Potenzial nutzen : Was ist möglich ?

Die erreichten Kompetenzen gezielt weiterzuentwickeln und dabei Ressourcen und Potenziale zu nutzen, macht es möglich, effizient und effektiv zu lernen. Wichtige Potenziale liegen im Bereich des Charakters, der Neigungen und der Art und Weise, wie jemand Neues aufnimmt (Lerntechnik, Offenheit, Lernstil).

Persönliche Prioritäten setzen

Bevor man eine Weiterbildungsmassnahme plant oder sich zum Ziel setzt, ein Skill zu verbessern, muss man sich darüber klar werden, ob man dies wirklich will

  • Passt die angestrebte Kompetenz bzw. des Skills überhaupt zu mir?
  • Bringe ich genügend intrinsische Motivation mit, um am Lernen dranzubleiben?
  • Gäbe es etwas, was für mich jetzt wichtiger wäre?
  • Habe ich das passende Umfeld, das mich für diese Weiterentwicklung unterstützt?

Massnahmen ableiten : Wie sieht der Entwicklungsweg aus ?

Erst wenn ich mich verbindlich entschieden habe, dieses Entwicklungsziel anzugehen, kann ich - gemeinsam mit der Lehrperson - den Entwicklungsweg planen.

  • Um die Differenz zwischen Ist (Standortbestimmung) und Soll (Bedarfsklärung) zu überwinden, werden Prioritäten gesetzt und Massnahmen abgeleitet.
  • Hier entscheidet sich,
    • ob autodidaktisch, on the job oder in speziellen Bildungsmassnahmen gelernt werden soll,
    • welche Anforderungen an die Bildung gestellt werden und
    • wer alles daran beteiligt ist.

 

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Ruth Meyer, Soft Skills fördern, Kapitel 1.3